Hütearbeit als Freizeitbeschäftigung

Border Collie bei der ArbeitHütehundebesitzer, die selbst keinen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaften, würden oftmals ihren Hund gerne mir der Hütearbeit bekannt machen. Oft ist es das Bedürfnis, den Hunden ihren  angeborenen Instinkt Rechnung zu tragen. Manchmal auch das Gefühl, der Hund wäre ansonsten nicht ausgelastet oder einfach die Freude an der arbeit mit dem Hund in der ländlichen Umgebung. Ob es sinnvoll ist. Die Hütearbeit aus rein sportlichen Gründen zu betrachten, hat ein Für und ein Wieder, viele gegensätzliche Meinungen und nicht zuletzt auch tierschutzrelevante Aspekte.
Das Argument, der Hütehund braucht mehr Bewegung als andere gleichermassen agile Hunde oder das schlechte Gewissen des Hundeführers weil er seinem Hund mangels Bewegung in Form von Hütearbeit nicht auslastet, sind meist unbegründet. Der Hütehund bringt auf Grund seiner Hüteanforderungen die körperliche Voraussetzung für ein grosses Laufpensum mit. Alleine durch marathonartige Auslaufmöglichkeiten wir der kein besserer Gefährte für uns sein.
Die Bewegung alleine wird in den wenigsten Fällen keinen besseren Gefährten für den Menschen formen. Das Argument, der grosse Garten oder das lange Lauftraining hinter dem Fahrrad sind unbedingt notwendig m dem Hund gerecht zu werden, ist nicht die Lösung!
Ein ungeübter Hundeführer sollte auf jeden Fall nur unter fachkundiger Anleitung die erste Zeit tätig werden. Man muss sich auch im Klaren sein, dass eine Hütehundeausbildung nicht mit einer einmaligen Aktion getan ist. Ist der Hütetrieb einmal geweckt dass muss zumindest so lange geübt werden bis der Hund wenigstens problemlos und in jeder Lage von den Weidetieren abgerufen werden kann. Grundsätzlich hat die Hütearbeit mit dem Vieh auch als Freizeitgestaltung viele positive Aspekte. Der Hundeführer wird verstehen lernen, dass der Hütetrieb eines Hundes eine sehr konsequente Vorgehensweise in allen Fragen der Hundehaltung erfordert. Es wird deshalb wieder mehr Verständnis für naturnahes Denken erlernt. Meist wird er auch den Umgang mit seinem Hund weg von der vermenschlichten Kreatur hin zum Rudelführer finden. Der Hund lernt dadurch besser zu gehorchen und eventuell auch weniger zu fordern, was in der Regel zu beidseitiger Freude führen wird. Ein Hund, der problemlos von der Hütearbeit abgerufen werden kann, wird auch leichter von der Verfolgung von wild oder von der Jagd nach vorbeifahrenden Fahrzeugen abzubringen sein.
Wenn die Hundehalter Hütehunde wieder mehr für die Hütearbeit einsetzen, wird sich so mancher Hobbyzüchter auch mehr Gedanken über die Arbeitstauglichkeit seiner Zuchttiere machen. Dies trägt bestimmt zur Erhaltung unserer ursprünglichen Hütehunderassen bei.

Entwicklung des Trials

Es gibt nur lückenhafte Informationen, wann und wo organisierte Hütewettbewerbe zum ersten Mal stattgefunden haben. Aus Neuseeland sind Aufzeichnungen bekannt, die einen Hütewettbewerb im Jahr 1867 beschreiben. Aus Grossbritannien ist ein Austragungstermin vom Oktober 1873 bekannt (Bala in Nordwales). 1875 wird am gleichen Austragungsort bereits von einem Wettbewerb berichtet, an dem 30 Schäfer teilnahmen und er von ca. 2000 Zuschauern besucht war.
Nach der Gründung der „Internationalen Sheep Dog Society“ (ISDS) im Jahr 1906 in Haddington, Schottland, wurden solche Veranstaltungen vermehrt angeboten, so dass heute in Grossbritannien jährlich über 500 Preishüten ausgerichtet werden.

Auf dem europäischen Kontinent sind die Pioniere für die britische Hütetechnik in den 70er Jahren vor allem in Schweden, in der Niederlanden und in Frankreich zu finden. Im deutschsprachigen Raum war es in erster Linie Frau Odette Lieber-Conus, die 1984 mit dem Ausbilder Jim Easton, Northumberland, das erste Hüteseminar in der Schweiz organisierte.
Der eigentliche Durchbruch für internationale Wettbewerbe auf dem Kontinent war der 2. und 3. November 1985. An diesen Tagen wurde der erste internationale Wettbewerb in Genthod, Genf, abgehalten, der ebenfalls von Frau Lieber organisiert wurde. An diesem Wettbewerb nahmen immerhin schon 43 Hunde mit ihren Schäfern teil. Die Teilnehmer kamen aus Frankreich, Deutschland, Holland, Belgien und aus der Schweiz

Quelle: Ausbildung von Hütehunden von Hans Chifflard und Herbert Sehner