Der Border Collie

Der Border CollieDie Border Collies, wie wir sie heute kennen, haben ihren Ursprung ende des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit existierten bereits in ganz Grossbritannien viele verschiedene Lokalschläge von Bauernhunden, die auf den Schaf- und Rinderfarmen ihr Futter durch Mithilfe beim Treiben des Viehs verdienten. Da zu dieser Zeit die Mobilität der Leute noch sehr eingeschränkt war, handelte es sich bei dien Lokalschlägen um meist stark ingezüchtete Populationen, die aber durch (die damals noch weit verbreitete) Staupe und andere Krankheiten stark selektiert wurden. An Volks- und anderen Festen wurden schon damals die Fähigkeiten dieser Hunde bei freundschaftlichen Schaf-Treibe-Wettbewerben, sog. „Sheepdog-Trials“ getestet. Die Besten unter Ihnen wurden dann auch vermehrt zur Zucht eingesetzt. Diese Hunde nannte man damals einfach Collies, was so viel wie „nützlicher Gegenstand“ bedeutete. Mit dem Aufkommen von Eisenbahn und Auto wurden auch die Farmer immer mobiler und die Einzugsgebiete der „Sheepdog-Trials“ immer grösser. Dies führte dazu, dass sich die lokalen Hundeschläge immer mehr vermischten und die Hunde in ihrer Arbeitsweise zunehmend einheitlicher wurden. Dabei wurden aus rein wirtschaftlichen Gründen immer mehr diejenigen Hunde bevorzugt, welche ihre Schafe in geduckter Haltung schleichend und mit fixierend-starrem Blick ruhig vorwärts bewegen konnten. Bellende, beissende und die Schafe hetzende Hunde hingegen stressten das Vieh, was durch Fehlgeburten und Gewichtsverluste schnell zu erheblichen Gewinneinbussen führte. Je wichtiger und unersetzlicher diese Collies für die Schaffarmer Grossbritanniens wurden, desto sorgfältiger begann  man sie zu züchten. 1906 wurde die Internationale Sheep Dog Society (ISDS) gegründet und ein Stammbuch, Stud-Book genannt, wurde eröffnet. Dies war der Beginn der Reinzucht dieser Rasse.

Der Border CollieWie schon erwähnt, wurden diese Hunde zu Beginn der Reinzucht einfach nur Collies („nützliches Ding“) genannt. Als 1945 James Reid zum Sekretär der ISDS ernannt wurde, gab dieser der Rasse den Namen Border Collie. „Border“ bedeutet Grenze. Und James Reid wählte diesen Zusatz, weil zu dieser Zeit besonders viele der besten Collie-Hunde im Grenzgebiet zwischen Schottland und England, den sog. „Border Counties“. Beheimatet waren. Der Ruhm dieser ersten Border Collies als beste Hütehunde (vor allem für Schafe) verbreitete sich daraufhin rasch über die ganze Welt. Heute gibt es wohl kaum noch ein Land, in dem diese Hunde nicht bekannt und geschätzt sine.
In den 1970er-Jahren war der Border Collie nicht nur als hervorragender Hütehund mit einzigartiger Arbeitsweise bekannt. Auch fast allen Sparten des Hundesportes hatte man gemerkt, dass diese vielseitigen Hunde zu Höchstleistungen fähig und zudem leicht auszubilden sind. Auch Ausstellungsliebhaber waren auf die hübschen Hunde aufmerksam geworden. So wurde denn 1976 der Border Collie auf Drängen dieser Leute – trotz grosser Bedenken der Schafzüchter, welche um die unersetzlichen Arbeitseigenschaften ihrer Hunde bangten -  vom Englischen Kennel Club (englischer Landesverband) als offizielle Rasse anerkannt.
Dies öffnete nun allen am Border Collie interessierten Kreisen Tür und Tor. Um mit ihren Hunden an dem verschiedensten Aktivitäten rund um die Rassehundezucht teilnehmen zu können. Die Befürchtungen der damaligen Schäfer haben sich teilweise bewahrheitet. Obwohl es auch heute noch genügend Zuchtlinien mit hervorragenden Hütehundeveranlagungen gibt, haben sich parallel dazu auch eine reine schönheits-, spezialisierte „Obedience-“ und vermehrt auch „Agility“- Linien entwickelt. Aber egal, zu was sie heute verwendet werden, haben die meisten Border Collies bis heute eines gemeinsam: Sie sind hoch motivierte Arbeitshunde. Diesem wichtigen Umstand wurde schon 1976 bei der Erstellung des Rassestandards Rechnung getragen. Der Standard einer Rasse wird von deren Ursprungsland erstellt und beschreibt das gewünschte Aussehen dieser Hunde. Wohl bei keiner anderen Hunderasse lässt der erstellte Standard eine so grosse Variationsbreite im Aussehen zu, wie beim Border Collie. Ausser im Ausstellungsring, kann dank der grossen Uneinheitlichkeit deshalb auch heute noch jeder den Hund seines Geschmackes finden. Das Motto der ISDS lautet darum sehr treffend: „Brains before Beauty“, was mit „Intelligent ist wichtiger als Schönheit“ übersetzt werden kann.

Quelle: Daniela Gerber-Matti, Der Border Collie